Gut gemeintes aus eigener Erfahrung - auch mit Freunden
Nein, ich habe nicht vor, hier einschlägige Literatur zu zitieren, zumal ich auch nicht mit allem einverstanden bin, was dort zu lesen ist. Um viele bergspezifische Tipps ranken sich Mythen und althergebrachter Unsinn - ein paar Bemerkungen dazu findet ihr bei den Stories. Für Bergneulinge ist es schwer, die richtigen Ratschläge herauszufiltern, und alte Hasen wissen sowieso, wo es lang geht. Meine Empfehlung kann nur lauten: «hört» gut in euch hinein und versucht, bei unangenehmen Erfahrungen (Muskelkater, Erschöpfung, Durst, Angst, Kältegefühl usw.) die Tour ehrlich gedanklich nachzubereiten. Auch die besten Ratschläge erfahrener Bergsteiger bringen euch nicht mit Genuss auf die Kreuzspitze, wenn's euch schon im ersten Stock schwindlig wird!
Ich wende mich an diejenigen, die entweder ganz neu in den Bergen sind oder die bis jetzt noch nicht in den hochalpinen Bereich hineingeschnuppert haben.
Grundsätzlich ist bei allen hier vorgestellten Touren zu beachten, dass wir uns im Hochgebirge befinden, also auch bei den so genannten leichten Touren immer mit typisch alpinen Widrigkeiten (Wettersturz, Schneefelder, Steinschlag, schadhafter Weg usw.) rechnen müssen! Angesichts des leider immer wieder anzutreffenden Leichtsinns bitte ich alle Bergfreundinnen und Bergfreunde, diese Minimaltipps zu beherzigen.
Für Neulinge oder Unerfahrene kann es nützlich sein, wenn sie ihre ersten Touren zusammen
mit erfahrenen Leuten machen. Aber sucht euch dafür bitte keine Spezis aus, die als
erstes damit prahlen, dass sie eine Gletschertour «mit links» machen. Wirklich erfahrene
Bergsteiger passen sich den Nöten und Beschwerden der Tourgefährten an und erlauben es
durch ihre Ruhe und Sicherheit, dass sich die Neulinge langsam an immer Schwereres
herantasten können. Wer keine passenden «Seilgefährten» hat, sollte sich zu Anfang
durchaus vor Ort an die Angebote der Einheimischen halten (geführte Wanderungen, geprüfte
Wanderführer). Wenn ihr mit etwas beherztem Engagement einsteigen wollt, schadet es
sicher nichts, sich mal das Angebot der
Venediger Bergführer in Prägraten anzusehen bzw. deren Büro
aufzusuchen.
I ♥ HIBI aktualisiert: 21.05.12
(CSS3)
Wenn es sich nicht gerade um einen Spaziergang handelt: ermittelt Wegzeiten und Tourenprofil auf der Basis geeigneter Karten; bewertet ehrlich eure eigene Kondition aber bedenkt die alpine Höhenlage! Jenseits von 2.500 m spüren die meisten schon, dass die Luft dünner wird. Befragt Einheimische, bleibt dabei aber skeptisch: Die Bergbewohner haben meist eine bessere Kondition! Informiert Gastgeber, Bekannte oder Freunde über die Tour und die geplante Rückkehrzeit. Studiert den Wetterbericht und plant eure Tour danach.
Seid immer auf alles gefasst, was euch bei einer langen Tour unterwegs begegnen kann! Immer Regen- Wind- und Kälteschutz mitnehmen; Kleidung nach dem Zwiebelschalenprinzip: lieber mehrere dünne Sachen zum Übereinandertragen als nur einen dicken, schweren Norwegerpulli mitnehmen! Moderne Funktionskleidung ist leicht! Nehmt Plastiktüten oder geeignete Säckchen für empfindliche Gegenstände (Foto, Handy...) aber auch Müll mit. Wichtig sind auch Erste-Hilfe-Set mit Rettungsfolie (wichtig gegen die Kälte!), Trillerpfeife, Taschenlampe für hoffentlich nicht erforderliches Notsignal, Handy - auch wenn man sich nicht überall aufs Netz verlassen kann!
Geht «ökonomisch», d. h. findet euren eigenen Rhythmus. Startet bewusst langsam zum Warmwerden und findet ein Tempo, das ihr den ganzen Tag durchhalten könnt - wer langsam geht, kommt besser an! Lasst euch von Begleitern nicht hetzen, aber trödelt auch nicht: wir reden hier im allgemeinen nicht von Spaziergängen! Macht Pausen, wenn euch danach ist und zwingt euch nicht zu stundenlangem Durchhalten. Aber: wer dauernd stehen bleiben muss, geht zu schnell! Vergesst das Trinken nicht: Höhenluft ist trocken! Achtet bei längeren Touren stets auf die Uhr, vergleicht eure Planung öfters mit der aktuell verstrichenen Zeit. Bei deutlichem Nachhinken soltet ihr eine Abkürzung oder gar den Abbruch der Tour erwägen. Bei Gewitterlage vor dem Passieren exponierter Stellen kritisch das Wetter begutachten; geplante Tour nicht variieren, es sei denn, ihr könnt eine Variante kundtun: im Hüttenbuch eintragen oder - falls möglich - mit dem Handy eure Gastgeber bzw. Freunde informieren.
Keine unnützenden Mutproben! Selbstüberschätzung und Leichtsinn sind Ursache für viele schwere Bergunfälle!
Anstrengende Touren noch einmal reflektieren. Was hat Spaß gemacht, wo gab es Probleme? War ich schneller oder langsamer als vorgesehen? Habe ich Muskelkater oder schmerzen die Füße? Gab es Angst machende Stellen? Geht die Tour noch einmal auf der Karte durch und versucht, ein Gespür fürs Kartenstudium und Gehzeiten zu bekommen. Alle Erfahrung kommt aus dem Tun und dem anschließenden Bessermachen! Seid ehrlich zu euch!